Einblick No. 11 // Träger

Ist das Trash oder kann das weg?

Eindrücke von einer neuen Koordinatorin im FSJ Kultur auf dem Abschlussseminar in Hessen

„Greetings, my friend. We are all interested in the future, for that is where you and I are going to spend the rest of our lives. And remember my friend, future events such as these will affect you in the future.“

Dieser schlaue und doch so schlechte Satz entstammt dem Film „Plan 9 from Outer Space“, der 1979 zum schlechtesten US-Film aller Zeiten gewählt wurde. Dieses Stück Trash-Geschichte bildete den Unterbau für das letzte, das Abschlussseminar der Freiwilligen von der LKB Hessen. Diesmal  zum Thema „Trash’n’Treasure“. Ed Wood, der Regisseur dieses Films, hatte immer geglaubt, seine Filme wären gut, fabrizierte aber stattdessen Trash, der in die Geschichte einging. Wann ist Trash Trash, wann machen Künstler extra Trash, wann wird der Trash zur Kunst? Mit solchen Fragen setzten sich die Freiwilligen in Hessen inhaltlich und künstlerisch auseinander. Und Claudia Dohlich war als neue Koordinatorin der LKB Hessen dabei und beobachtete mit Begeisterung, wie Trash zu Kunst wurde.

Claudia ist seit April mit von der Partie im FSJ Kultur. Sie hat nach dem Studium für das Freiwillige Soziale Jahr gearbeitet, machte danach einige Jahre Jugend- und Sozialarbeit, bevor sie zum FSJ zurückkehrte – nur diesmal zum FSJ Kultur. Zusammen mit ihrem ebenfalls neuen Kollegen Markus Daum ist sie im April in den aktuellen Jahrgang eingestiegen. Die beiden waren bereits bei einem Seminar dabei und wurden dort von den Freiwilligen „herzlich aufgenommen, ganz ohne Fremdeln oder Distanz“. Nachdem sie also die Freiwilligen in deren 3. Seminar erstmals getroffen hatte, konnte Claudia sie nun, leider schon beim letzten Seminar des Jahrgangs, intensiver kennenlernen, fand „viel Zeit für viele Gespräche“.

Das Abschlussseminar, so will es nicht nur der Titel, sondern auch seine Position kurz vor Ende des Freiwilligendiensts, steht unter dem Zeichen des Rückblicks, der Auswertung und des Ausblicks. So gab es zwei Tage lang Raum für „Austausch und Abschied“, wie Claudia erzählt. Beim gemeinsamen Weg zum Badesee oder beim Grillen wurde in lockerem Rahmen das Jahr ausgewertet. Eine Gala, die die Koordinatoren/-innen für den Beginn vorbereitet hatten, diente zum thematischen Einstieg in die Vielfalt des Themas „Trash“. Und bei einem Open-Stage-Abend konnten die Freiwilligen das Mikro und die Macht selbst in die Hand nehmen und zeigen, dass sie vieles auf dem Kasten haben, sowohl Trash, als auch sein Gegenteil. Auch bei der Projektmesse, die von den Freiwilligen gestaltet wurde, konnten sie zeigen, welche tollen eigenständigen Projekte (denn die Freiwilligen im FSJ Kultur entwickeln im Laufe ihres Jahres ein eigenes Projekt und setzen es um) sie zu Stande gebracht hatten. Von Dienstag bis Donnerstag arbeiteten die Freiwilligen dann mit ausgebildeten Teamenden in ihren Workshops zum Thema Trash. Während fotografiert, philosophiert, Musik gemacht, gefilmt, dokumentiert, getanzt und siebgedruckt wurde, schaute Claudia etwas wehmütig zu und hätte manchmal gern mit den Freiwilligen getauscht: „Ach, da wäre ich auch gern dabei!“

Am letzten Abend des Seminars fand dann die große Präsentation statt, bei der auch die Koordinatoren/-innen ihren Part hatten. „Wir haben die einzelnen Gruppen angekündigt, aber natürlich auch im Sinne von Trash: Mit Papierkörben als wortwörtliches Zeichen für Trash und verschiedenen pantomimischen Einlagen“, erzählt Claudia und denkt dann nochmal begeistert an den ganzen Abend: „Die Ergebnisse waren fantastisch! Wahnsinn!“. Trash, im Sinne von Nachhaltigkeit und Konsum, beinhaltete für die Freiwilligen auch den Blick in die Zukunft, die nun mit Nachdruck in den wenigen verbleibenden Wochen des FSJs bis Ende August an die Türe der Freiwilligen klopft. Der Ausblick in die Zukunft, also auf den neuen Jahrgang, ist auch für Claudia ein Thema.  „Positiv, also mit Vorfreude“ schaut sie den neuen Freiwilligen entgegen, die sie nun erstmals das ganze Jahr begleiten kann und sie hofft, durch die kleineren Seminare am Anfang „näher dran sein“ zu können. Natürlich nicht ohne sich mit einem weinenden Auge vom aktuellen Jahrgang zu verabschieden.

Auch dazu hat der größte Trash-Film aller Zeiten ein passendes Zitat parat: „You are interested in the unknown... the mysterious. The unexplainable. That is why you are here.“

von Annika Esser
Juli 2013

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