Einblick No. 13 // Einsatzstellen

Michael Kaiser, Theater Freiburg // Sören Köhn, rok-tv

Beginnen und Begleiten – Die Anfangszeit beim FSJ Kultur

Knapp 750 Kilometer Luftlinie liegt zwischen ihren Büros. Michael Kaiser und Sören Köhn arbeiten weit voneinander entfernt. Michael Kaiser ist künstlerischer Leiter des Jungen Theaters und Werkraums im Theater Freiburg. Sören Köhn ist Leiter des Rostocker Offenen Kanals rok-tv. Die beiden kennen sich nicht. Aber sie sprechen beide mit der gleichen Wärme und Hochachtung von dem, was sie verbindet: Von ihren Freiwilligen. Sie nennen sie „Kollegen“ und betonen die Wichtigkeit der „Begegnung auf Augenhöhe“. Denn sowohl das Freiburger Theater wie auch rok-tv sind Einsatzstelle im FSJ Kultur. Michael Kaiser und Sören Köhn sind pädagogische Begleiter der Freiwilligen und das schon seit einiger Zeit.

Michael Kaiser begleitet mittlerweile den sechsten Jahrgang und hat festgestellt, dass im September der Einstieg in das Freiwillige Jahr sehr turbulent ist. „Die Freiwilligen gehen hinaus in die Welt und nabeln sich von Zuhause ab. Und das Wetter ist auch noch schön“, sagt er. Schwieriger wird es erst später. „Wenn dann im November die Tage kürzer werden und das Wetter trübe, das Neue und Aufregende schon ein Stück Alltag wird. Dann kommen die ersten Heimwehwellen.“

Er gestalte die Einarbeitung mehrstufig, meint er. Die Freiwilligen sollen die Wege und alle Namen kennenlernen und verstehen wie man die verschiedenen Menschen im Theater anspricht. Soviel lernt man auch bei einem Praktikum. Aber das Besondere am FSJ Kultur ist, dass es nach den drei Monaten weitergeht. Der nächste Schritt ist Verantwortung übernehmen und ein eigenes Projekt entwickeln.

Außerdem versucht der Regisseur und Dramaturg jeden Anfang neu und individuell zu gestalten. „Zuerst trinken wir Kaffee und reden und schaffen eine vertraute Atmosphäre und ich sage, dass ich den genauen Arbeitsbereich noch nicht kenne.“ Denn Michael Kaiser muss seine/-n neue/-n Kollegen/-in erst einmal kennenlernen. Wie das Jahr gestaltet wird, liegt zu einem großen Teil an den Freiwilligen.

Ähnlich sieht es auch Sören Köhn in Rostock. Neuerdings gibt es die traditionelle Schon- und Eingewöhnungsfrist nicht mehr. „Das haben wir in diesem Jahr bewusst anders gemacht“, sagt der Medienpädagoge. „Nach der Entscheidung für einander haben wir die Freiwilligen gefragt, was sie konkret machen möchten und sie haben sich für Kamera, Schnitt und Sendungsformate entwickeln entschieden.“ Weswegen rok-tv gleich in den ersten Wochen Seminare zu Schnitt, Kamera und Formatentwicklung veranstaltete, die auch für andere Freiwillige im FSJ Kultur und Interessierte offen waren.

„Einerseits werden die neuen Freiwilligen fachlich ganz intensiv an die Hand genommen und andererseits, was Verantwortung und Kreativität angeht, ins kalte Wasser geschmissen.“ Beschreibt Sören Köhn die neue Situation. DieFrederik Hocke, Julia Höhlein sowie Erik Lücht im Fernsehstudio des Rostocker Offenen Kanals rok-tv Freiwilligen, die aus der gesamten Bundesrepublik nach Rostock kommen, haben auch immer einen/-e Kollege/-in als Mentor/-in, denn auch hier ist Augenhöhe und Vertrauen wichtig.

Und fast ein bisschen stolz fügt er hinzu „Es ist sehr gut! Wir hatten immer Glück. Das FSJ Kultur ist eine Tradition, an der wir unbedingt festhalten wollen. Die Freiwilligen sind eine Inspiration für das Team und für neue Formate und sie haben auch die Luft und Energie das umzusetzen und sie sind ein wichtiger Kontakt zum jüngeren Publikum, zu jüngeren Nutzerinnen und Nutzern“. Auch bei Michael Kaiser gibt es sehr schöne Langzeiteffekte des FSJ Kultur, denn gerade hat er einen seiner ehemaligen Freiwilligen als Assistenten eingestellt.

So blicken nach den ersten Wochen des aktuellen Jahrgangs die pädagogischen Begleiter Michael Kaiser und Sören Köhn voller Vorfreude und Neugier auf die kommenden Monate und sicherlich auch auf die folgenden FSJ Kultur Generationen.

 

Text: jf.
Bilder: Benedikt Grubel und rok-tv

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