Einblick No. 16 // Einsatzstellen

Ich hier, die Einsatzstelle dort – Mobil im FSJ Kultur

Die Zahlen sagen, dass die FSJ Kultur-Freiwilligen eine besonders hohe Mobilität aufweisen. Knapp 50% aller Freiwilligen ziehen für ihren Freiwilligendienst um. Über 30% davon sogar in ein anderes Bundesland. Das ergab eine Befragung der Freiwilligen anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des FSJ Kultur 2010/2011. Aber auch die, die nicht umziehen, müssen Wege zurücklegen, um zu ihrer Einsatzstelle zu kommen. Viele Einsatzstellen helfen ihren Freiwilligen dabei:

Bei Melina, die ihr FSJ Kultur bei Kultur123 in Rüsselsheim macht, aber in der Nähe von Hanau wohnt,, war das so: Sie hatte gesehen, dass ihre Chefin Sophie Werner ein Rad hatte und mit diesem immer vom Bahnhof bis zum Theater fuhr. „Das sind zu Fuß zwar nur 15 Minuten, aber es ist ein doofer Weg. Mit dem Rad sind es nur zwei. Da habe ich von mir aus das angesprochen, ob ich auch eins haben könnte“, erinnert sie sich. „Ich habe also nachgefragt. Ein Kollege von mir kennt hier Viele. Er lebt in Rüsselsheim. Ein Freund von ihm hat einen Fahrradladen. Da stand das Klapprad. Zum einen fand ich es praktisch, weil ich es auch mal in der Bahn mitnehmen kann und es sieht cool aus.“ Der Fahrradhändler hat Melina das Rad dann geschenkt. „Mein Arbeitsweg beträgt ca. anderthalb Stunden mit dem Bus und der Bahn. Um zwanzig nach sieben muss ich aus dem Haus. Ich habe überlegt nach Rüsselsheim zu ziehen, aber das wäre mit dem Geld zu eng geworden und zu Hause sind sehr gute Umstände. Ich habe quasi eine eigene Wohnung. Außerdem mag ich das Bahnfahren. Wenn ich morgens noch müde bin, dann lese ich oder höre Musik und wenn ich dann ankomme, bin ich wach.“ Wenn bald der Schnee kommt, wird sie allerdings doch lieber laufen und auf den Frühling warten.

Auch Lena müsste, wenn sie bei ihren Eltern in der Nähe von Kassel wohnen geblieben wäre, rund anderthalb Stunden fahren. Allerdings mit dem Auto, denn das Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach ist nur schlecht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Aber das sei keine echte Option gewesen, sagt Lena, denn die A5 sei immer voll und es wäre sicher nicht bei den drei Stunden Fahrzeit täglich geblieben. Diese Gedanken habe sie sich gemacht, als die nach dem Vorstellungsgespräch die Zusage von der Einsatzstelle erhalten hatte. „Die Leute vom Museum hatten mich direkt angesprochen, ob ich eine Wohnung auf dem Gelände beziehen möchte“, erinnert sie sich. Natürlich dachte sie auch daran, dass es schwierig wäre Feierabend zu machen, wenn man direkt am Lena - Freilichtmuseum HessenparkArbeitsplatz wohnte. Aber als sie dann die Wohnung, die auch eine Freiwillige aus dem Vorgängerjahrgang bewohnte, besichtigen konnte und sie den Preis hörte, war die Sache eigentlich schon entschieden. 24 Quadratmeter bewohnt Lena jetzt seit September: Ein Zimmer mit Küchenzeile und ein Bad. Die Wohnung liegt direkt am Marktplatz des Freilichtmuseums. In den Erdgeschossen der Fachwerkhäuser sind Läden und die vier Betriebswohnungen sind genau über der Bäckerei Schäfer. Froh war sie dann auch, als sie beim ersten Seminar ihre Kollegen/-innen, besonders aus Frankfurt, über die schwierige Zimmersuche stöhnen hörte. Ein kleines Auto hat sie sich aber dann doch gekauft. Für noch mehr Freiheit!

Aber nicht nur in Hessen unterstützen Einsatzstellen den Freiwilligen. Wohnraum, ob Betriebswohnungen, ein Zimmer im Schwesternwohnheim, Vermittlungshilfe für günstige Unterkünfte oder eine vererbte Freiwilligen-WG, gibt es vielerorts. Die Mehrzahl der Einsatzstellen im FSJ Kultur kann zwar leider, anders  als meistens beim FSJ, keinen Wohnraum zur Verfügung stellen, denn ein Kino, eine Gedenkstätte oder eine Bibliothek haben meist keine Betriebswohnungen, wie ein Krankenhaus oder Schwesternwohnheim, doch auch im FSJ Kultur bieten einige Einsatzstellen ihre Hilfe an.

Zum Beispiel bieten der Kunsthof Friedrichsrode in Thüringen oder die Integrative Kulturwerkstatt Alte Schule im Johannes-Busch-Haus in Nordrhein-Westfalen günstige Zimmer vor Ort an. In Mecklenburg-Vorpommern beim Land und Leute e. V. gibt es ein Zimmer direkt auf dem Hof und die Jugendkunstschule Uecker-Randow hat eine Wohnung für die Freiwilligen angemietet, die seit vielen Jahren als WG genutzt wird.

In Baden-Württemberg stellt das Zentrum für Psychiatrie Reichenau kostenlos ein Zimmer zur Verfügung, ein Angebot, das immer gerne von Freiwilligen angenommen wird.  Das Archiv und die Musikschule in Waldkirch mieten gemeinsam eine Wohnung im Kulturhaus für die beiden Freiwilligen an und die Jugendmusikschule Württembergisches Allgäu in Wangen vermittelt günstige Zimmer in einem städtischen Wohnheim. Im Subiaco Kinos e. V. kann man sogar ein Zimmer direkt im Kloster beziehen, wo auch das Kino untergebracht ist. Mancherorts ist es sogar möglich das Dienstauto  privat zu nutzen, wie beim Kloster Volkenroda. Ebenfalls in Thüringen, im Jugendzentrum Wasserturm in Eisenberg, schlägt der Leiter den neuen Freiwilligen vor nach Jena zu ziehen, da er sie von dort morgens mitnehmen kann. So müssen die Freiwilligen nicht nach Eisenberg ziehen, sondern können mit ihm pendeln. Für andere Freiwillige gibt es eine Monatskarte, wie bei der Gedenkstätte Buchenwald, die außerhalb von Weimar liegt oder einen Zuschuss zum Fahrgeld, wie beim Bund Deutscher Blasmusikverbände in Staufen. Auch die Volkshochschule Dresden stellt den FSJ Kultur-Freiwilligen eine Monatskarte für den öffentlichen Nahverkehr zur Verfügung, obwohl Dresden ja keineswegs als ländlicher Raum zu zählen ist. „Das hat vor allem drei Gründe“, sagt Frank Uhlmann von der VHS. „ Zum einen haben wir mehrere Standorte in der Stadt, die die Freiwilligen auch während der Arbeitszeit erreichen müssen. Außerdem ist es schön den Freiwilligen einen zusätzlichen Anreiz zu bieten und drittens bekommen die Freiwilligen aus dem BFD eine Monatskarte und Gleichberechtigung unter den Freiwilligen ist wichtig.“

Diese Beispiele sind nur kleine Einblicke in die vielfältige Unterstützung der Einsatzstellen für ihre Freiwilligen. Deutschlandweit sind es noch viel mehr. Und wenn die Angebote nicht schon bestehen, lohnt es sich sicher immer, wie es Melina getan hat, bei der Einsatzstelle oder dem Träger nachzufragen.

Text: jf
Bilder: privat

Mehr Einblicke gibt es hier zu lesen.