Einblick No. 2 // Einsatzstellen

„FSJ kann neue Impulse setzen“

Philipp Harpain
Theaterpädagoge am GRIPS Theater im Podewil, Berlin

In Berlins alter Mitte steht, im Schatten des Fernsehturms, das Podewil, die zweite Spielstätte des Kinder- und Jugendtheaters Grips. Dieses Theater ist das „berühmteste Kinder- und Jugendtheater (auch mit Stücken für Erwachsene) der Welt“, sagt die Website. Lange Altbaugänge führen an Türen vorbei, hinter denen theaterpädagogische Workshops für Jugendliche stattfinden und sich eine Zweitbühne verbirgt. Hinter einer der vielen Türen befindet sich das kreative Chaos der Abteilung Theaterpädagogik, in der an vier eng bemessenen Schreibtischen gearbeitet und kreativ gedacht wird. Hier ist auch Platz für jährlich eine/-n Freiwillige/-n im FSJ Kultur, direkt neben Philipp Harpain, einem von vier Theaterpädagogen im GRIPS.

2008 wurde hier erstmals Platz gemacht für einen Freiwilligen: Michael. Ein engagierter Abiturient aus Hessen, der schon in der Schulzeit selbst theaterschaffend tätig war und sich das auf „realer“ Ebene anschauen wollte. Mit Michael gab es einen fabelhaften Start für das GRIPS im FSJ Kultur. Er brachte sich ein, sponn eigene Ideen und erhielt für sein eigenverantwortliches Projekt, bei dem er Schülern/-innen die Theaterkritik näher brachte, sogar ein Preisgeld. Philipp Harpain fand es reizvoll, ihn in die Organisationsarbeit mit einzubeziehen und Michael konnte überall einspringen und eigene Ideen einbringen. Damit war der Boden für weitere Freiwillige geebnet.

„Ich finde wichtig“, betont Philipp Harpain, „dass die Freiwilligen auch vernünftig versichert sind.“ Das ist neben den vielen anderen Dingen, die ihm am FSJ Kultur gefallen, ein wichtiger Punkt für ihn. Die Freiwilligen sind über einen längeren Zeitraum tätig, als die Praktikanten/-innen und erhalten dafür im Gegenzug eine Grundsicherung, die sonst nicht gegeben wäre.

Die ersten Freiwilligen begleiteten theaterpädagogische Workshops und halfen in der Öffentlichkeitsarbeit. Mittlerweile gibt es in Theaterpädagogik und Öffentlichkeitsarbeit eine/-n Freiwilligen. In der Theaterpädagogik „ist es einerseits ein Begleiten bestehender Projekte, andererseits gibt es von Seiten der Freiwilligen auch immer wieder neue Impulse und man kommt zusammen auf neue Ideen“. Sie gehen zum Beispiel lockerer mit neuen Medien um, weil sie damit aufgewachsen sind. So erhielt zum Beispiel „Facebook dank des FSJ Kultur Einzug in unsere Einrichtung. Kontakte halten und Informationsaustausch sind schließlich wichtig, gerade im Kontakt mit Jugendlichen“. Zusätzlich zur täglichen Zusammenarbeit gibt es natürlich einige Aspekte, die nebenbei passieren und dennoch wichtig sind: Die Freiwilligen lernen sich selbst im Arbeitsleben kennen und wollen häufig für sich herausfinden, was sie nach dem FSJ machen werden – welches Studium, in welche Richtung soll das Leben gehen, welche Kenntnisse wollen sie vertiefen und welche lassen sie links liegen? Gwen hat gesagt, sie möchte gern Musik machen. Laura hat explizit aufs eigene Organisieren und Moderieren bestanden. Michael ging es mehr um die Verbindung zwischen Theater und Publikum. Und die Freiwilligen diese Sachen machen, sie ausprobieren zu lassen, findet Philipp Harpain Unterstützens wert. Die Berufsorientierung steht für ihn an erster Stelle, „denn das FSJ Kultur bedeutet für mich immer auch, sich auszuprobieren und dazu sollten auch die Einsatzstellen Raum bieten – ich will meinen Freiwilligen alles möglich machen.“ Darum verschmerzt Philipp Harpain auch die Abwesenheit seiner Freiwilligen, wenn sie die Bildungsseminare besuchen: „Die passen terminlich nicht immer gut rein. Aber danach hören wir oft nur Gutes. Der Kontakt mit anderen, um sich auszutauschen und herauszufinden wohin man will, wird da gefördert.“

Das FSJ Kultur ist im GRIPS mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Und obwohl „es für so ein kleines Theater tatsächlich immer schwierig ist, zwei FSJ-Stellen zu finanzieren, haben wir beim künstlerischen Leiter gute Überzeugungsarbeit leisten können“. – Philipp Harpain muss also auch dieses Jahr nicht auf die Hilfe und die neuen Impulse der Freiwilligen verzichten.

von Annika Esser
Oktober 2012

Weitere Einblicke...