Einblick No. 24 // Alumni

Weltraum, Lebensraum und das dazwischen.

„Und was kommt danach?“ Diese Frage bekommen jene zu hören, die auf dem besten Wege sind die Schule zu beenden. Alle fragen und so oft, bis in einem eine kleine Flamme der Panik emporkriecht: „Ja, was werde ich denn machen?“ Diese kleine Flamme ist gefährlich, denn sie ist das erste Anzeichen einer aufkeimenden Angst.

Die Leere nach der Schule kann wie weiße Flecken auf der Landkarte, schwarze Löcher im All oder blinde Flecken im Sichtfeld wirken. Unentdeckte, unbeschriebene, unerklärliche und nicht wahrnehmbare Orte sollen aber Neugierde wecken und nicht bedrohlich wirken.

Es sind genau diese ungeklärten Räume, die der Mensch braucht, um kreativ zu sein.  Aber wie sieht man das, was noch nicht ist? Durch einen Rahmen! Ein Ort wird durch seine Grenzen zu einem Ort, durch seine geologischen, ökologischen und sozialen Gegebenheiten oder eben durch seine Rahmenbedingungen.

Erst durch den Rahmen wird der Freiraum sichtbar. Wichtig ist nur, dass der Zugang allen ermöglicht wird. Das FSJ Kultur kann als ein solcher Rahmen verstanden werden. Im August geht wieder ein Jahrgang im FSJ Kultur zu Ende, Freiwillige werden zu Alumni und Alumni blicken zurück.

Charlotte, eine ehemalige Freiwillige aus dem FSJ Kultur in Baden-Württemberg, sagt, sie habe den Freiwilligendienst damals gar nicht als Freiraum wahrgenommen. Erst heute, acht Jahre später, kann sie es so sehen. Ganz unbedarft hat sie das FSJ Kultur begonnen. Keine Lust auf Weiterdenken, lieber mal Innehalten. „Der gesamten Seminargruppe ging es damals so“, erinnert sie sich. Sie glaubt, dass viele Jugendliche heute sehr viel strategischer denken und aus Angst vor der Lücke im Lebenslauf lieber einen Freiwilligendienst machen, als die freie Zeit ohne anerkanntes Format zu gestalten. „Ein offizieller Stempel muss drauf, sonst gilt es nicht.“ Nach ihrem Studium hatte sie dann selbst eine Leerzeit, die gesellschaftlich und sozial nicht anerkannt war. Da ging es ihr nicht gut, nur in den vier Wochen Reisen war der Freiraum spürbar. Zeit selbst gestalten, sich selber weiterbewegen; für Charlotte ist Freiraum heute auch im Park sitzen oder ins Konzert gehen.

„Ich kann mit Bestimmtheit sagen, dass erst vermeintlich ungefüllte Zeit es mir erlaubt hat, Prozesse in meinem Leben bewusst wahrzunehmen, mich selbst und auch Neues zu entdecken“, sagt Viola, ehemalige Freiwillige aus dem FSJ Kultur-Modelljahrgang 2001/2002. Für sie zählt unbedingt das FSJ Kultur dazu, aber auch ein Praktikum und ein Freiwilligendienst im Ausland. Dinge, abseits von Studium, Ausbildung oder Arbeit, mit Gestaltungsspielräumen und dem Gefühl, es freiwillig, ohne erdachten gesellschaftlichen Druck, zu tun.

Drei der aktuellen Noch-Freiwilligen haben dazu geschrieben, was ihr Freiraum in diesem Jahr war.

Clara, Theaterhaus Stuttgart, FSJ Kultur 2013/2014 

"Im FSJ Kultur haben sich mir viele Freiräume eröffnet. Ich habe eine neue Stadt und neue Leute kennen gelernt, habe andere Arten zu denken erlebt. Ich habe mit Altem abgeschlossen und mit Neuem begonnen. Das FSJ war der Freiraum, den ich gebraucht habe, um herauszufinden wer ich bin, was ich kann und will und mich für etwas freiwillig einzusetzen. Ich bin froh, meinen Platz und damit meinen Freiraum bekommen zu haben!" (Bild: links oben)

Marie, Jugendpresse Baden-Würrtemberg, FSJ Kultur 2013/2014

"Das FSJ Kultur hat mir nicht nur Freiraum verschafft, es hat mir eine neue Welt erschlossen: Die Welt der tausend Möglichkeiten. Ich habe gelernt, dass die richtigen Leute vereint am richtigen Fleck unglaubliche Projekte und Kunstwerke auf die Beine stellen können. Dafür bin ich sehr dankbar." (Bild: recht soben)

Anne, Zimmertheater Rottweil, FSJ Kultur 2013/2014

"Freiraum FSJ Kultur heißt für mich, im Rahmen betriebsinterner Strukturen und im Sinne der Einsatzstelle nach Platz für eigene Interessen zu suchen, eigene Projekte umsetzen zu können und dabei Eigenverantwortung zu erlernen." (Bild: rechts unten)

Alle drei haben den Freiraum gefunden, ein FSJ Kultur zu machen und alle drei haben Platz gehabt, um den Freiraum auch im Rahmen des FSJ Kultur für sich zu nutzen. Genau wie Anne es beschreibt, ist es nämlich besonders wichtig, die eigenen Interessen in einem Jahr des „freiwilligen kulturellen Engagements“ umsetzen zu können.

Denn nur dann gelingt echter Freiraum und die Freiwilligen können im FSJ Kultur zu Weltgestaltern/-innen werden. Eine wichtiger Freiraum im FSJ Kultur heißt: Das eigene Projekt.

In einigen anderen Einblicken sind solche beschrieben:

Damit der Raum zu einem Freiraum wird, muss allen bewusst sein, dass es die Leere geben muss, damit Menschen kreativ gestalten können. Diesen Raum für jeden neuen Jahrgang zu ermöglichen und der Leere einen, in unserer Gesellschaft notwendigen Rahmen zu geben,  ist der Wunsch und Anspruch des FSJ Kultur.

 

Weitere Einblicke…

Text: jf
Bilder (v.o.n.u.): R.B. / pixelio.de, LKJ Baden-Württemberg e. V.