Einblick No. 26 // Träger

Süd – Nord

Es ist ein weitverbreiteter Irrglaube, dass Zugvögel im Herbst gen Süden ziehen und im Frühjahr in den Norden. Zumindest von sechs Zugvögeln ist bekannt, dass sie genau andersherum ziehen. Sie sind aus Ecuador, Ruanda und Nepal nach Deutschland gekommen. Ihre Namen sind Paola, Ernest, Marie Diane, Richard, Sudarshan und Andrea. Seit September arbeiten alle sechs als Freiwillige in sozialen, kulturellen oder ökologischen Einrichtungen in ganz Deutschland. Zugvögel sind es, weil sie alle über den Träger Zugvögel, interkultureller Süd-Nord Austausch e. V. nach Deutschland gekommen sind.

Die BKJ e. V. mit ihrer langen Erfahrung als bundeszentraler Träger im FSJ Kultur steht als Patin und Zentralstelle dem frisch geschlüpften Träger und seinen zwei Freiwilligen im Bereich Kultur zur Seite. In diesem Jahr sind es Paola und Marie Diane. Jens Maedler, Bundestutor bei der BKJ betont: „Unser Ziel ist eine größere Offenheit für und ein selbstverständlicherer Umgang bei Trägern und von Einsatzstellen mit dem Engagementinteresse von Menschen jenseits der Staatsgrenze. Unsere Aufgabe dabei ist es, mit Partnern wie den Zugvögeln die Aufenthaltsvoraussetzungen  zu verbessern.“

„Der Zugvögel e. V. versteht sich als ein politischer Verein, dem besonders die Sensibilisierung für die ungleiche Bewegungsfreiheit und Kritik an dem verbreiteten Entwicklungsgedanken wichtig sind“, erklärt Lena vom Zugvögel e. V. Der Verein entstand aus einer Initiative von deutschen Freiwilligen in Ecuador, die wiederum Ecuadorianer/-innen ermöglich wollten in Deutschland einen Freiwilligendienst zu machen. Für deutsche Interessierte ist es unproblematisch im Ausland einen Freiwilligendienst zu machen, aber für sogenannte „Incomer“ ist es sehr schwierig. An diesem Punkt zeigt sich die Ungerechtigkeit, die der Verein Zugvögel e. V. kritisiert. Ebenso herrscht in der Öffentlichkeit immer noch das Bild vor, dass internationale Freiwillige, die in südlichere Länder gehen mit dem Geld, Wissen und Kultur aus dem Norden „dort unten“ helfen können. Der Verein Zugvögel e. V. hinterfragt diese Strukturen, macht auf postkoloniale Zusammenhänge aufmerksam und thematisiert, dass Rassismus dabei weiterhin eine große Rolle spielt.

„Die Freiwilligen, die nach Deutschland kommen, um hier zu helfen, sind ein Schritt in Richtung gleichberechtigte Teilhabe“, betont Lena. Dem stimmt Jens Maedler zu:  „Die Zugvögel machen Ernst damit, dass die internationalen Freiwilligendienste keine Einbahnstraße sein dürfen. Auch jenseits von Incoming-Programmen wird die globale Dimension von Freiwilligendiensten so an Bedeutung gewinnen.“

Paola aus Ambato, einer Stadt in der Mitte von Ecuador lebt nun für ein Jahr in Bayreuth und macht ihren Freiwilligendienst beim Freundeskreis Iwalewahaus e. V:

1. Was bedeutet es für dich nach Deutschland zu kommen und im Afrikazentrum in Bayreuth als Freiwillige zu arbeiten? (What does it mean to you to come to Germany and work as a volunteer in the Afrikazentrum in Bayreuth?)

Being here in Germany, living in Bayreuth and working at „Freundeskreis Iwalewahaus“ means a lot to me, I look forward to the voluntary service as an opportunity to learn and interchange experiences, ideas and different points of view to build something great together. The Freundeskreis Iwalewahaus is a really interesting place and I’m very happy to be here because I’m sure that I will learn a lot. This is a unique experience!

2. Welche Gründe haben dich neben der Einsatzstelle nach Deutschland gelockt? Which aspects, beside your work at the Afrikazentrum, brought you to Germany?)

I am from Ecuador, from Ambato, a city located in the center of the country, where I’ve been working on different projects related to cultural, social, environmental and comunicational aspects. I studied Social Comunication (Journalism) and I’ve been always interested on human expressions in different ways; then, everything started with the possibility to come to Germany as a volunteer for one year and finally I’m here! I think that this is a great chance to learn more and share as much as possible. And, I would like to thank Zugvögel, interkultureller Süd-Nord-Austausch e. V. for giving me this opportunity.

Hier stellt sich Marthe, Freiwillige über den Zugvögel e. V. 2013 in Berlin, vor und berichtet von ihren Erfahrungen:

http://www.zugvoegel.org/de/freiwillige/erfahrungsberichte/105-erfahrungsbericht-von-marthe und hier
http://www.zugvoegel.org/de/freiwillige/die-freiwilligen-2013

Text: jf
Bilder: Zugvögel, interkultureller Süd-Nord Austausch e. V.