Die ersten

Bei Napoleon war es noch der Bewährungszeitraum vor seiner endgültigen Niederlage bei Waterloo. Franklin D. Roosevelt, Präsident der Vereinigten Staaten von 1933 bis 1945, erbat sich bei Amtsantritte eine Schonfrist von 100 Tagen. Denn er setzte eine Wirtschaftsreform um, den sogenannten New Deal. Der Erfolg der Reform, so Roosevelt, sollte sich erst nach diesem Zeitraum zeigen. Seither werden gerne nach 100 Tagen neue Regierungen und Politiker/-innen das erste Mal kritisch unter die Lupe genommen.

In diesem Einblick nehmen vier Freiwillige nach 100 Tagen ihr FSJ Kultur unter die Lupe. Jede/-r tut es auf seine oder ihre Weise:

Hannah, Offener Kanal Merseburg - Querfurt e.V.

 

 

 

 

 

Zunächst im Internet nach Wohnungen suchen,
um dann gleich dazu nen Termin zu buchen,
um diese dann auch anzusehen,
Schritt für Schritt durch die Wohnungen gehen,
um dann wiederum festzustellen,
in einem kleinen, schönen, hellen,
Zimmer zu verweilen, in einer WG,
musste mich nur beeilen,
das WG- Zimmer auch zuzusagen,
die Nachfrage war groß, wollte kein Risiko wagen
und so gleich in der Nacht als ich heimgekommen,
die Aktion „ich nehm‘ das Zimmer“ aufgenommen,
hab‘s dann letztendlich auch bekommen.
Nur die Mitbewohner kannte ich noch nicht,
zunächst nicht schlimm, der Umzug in Sicht.
Drei Male ging‘s dann hin und her,
mal mit wenig Gerödel und auch mal mit mehr,
bis dann alles war an Ort und Stelle,
und dann schon kam das ganze Formelle.
Als das dann auch endlich erledigt war,
konnte beginnen das kulturelle Jahr.

Schon am ersten Tag wurde ich nett empfangen,
als ich um zehn bin zum OK gegangen,
durfte gleich verschiedene Aufgaben absolvieren,
die unterschiedlichsten Sachen probieren.
Auch bekam ich eine kleine Einweisung am Nutzerportal,
da sollte ich ja sitzen … später einmal.
Doch die Angst vorm Telefon war ganz schön groß,
wollte mich immer vor drücken, was mach ich bloß?
Um dieser Aufgabe auszuweichen,
beschäftigt zu spielen dürfte für den Anfang reichen.
Es ist aber auch schon ganz schön schwer
manche zu verstehen, reden anders so sehr.
Aus dem schönen Odenwald,
wo‘s lieblich nur „donebe“ schallt,
war das Wort „Broiler“ mir nicht bekannt,
als es zum Mittagessen wurde genannt.

Auch beim ersten Seminar,
war die Woche wunderbar.
Vom „Secret Friend“ bis zum Kanu fahren
und bis zu dem Punkt als wir geschockt dann waren,
denn beim Mittag in unserer Seminarkantine,
und obwohl es fast unmöglich schiene,
stellt sich die Frage und alle hielten inne:
„Wo ist nur die Margarine?“

Weitere Projekte im OK,
prägten schon mein kulturelles Jahr.
Viele Studenten lernte ich kennen,
ohne alle Namen zu nennen,
da war mal richtig was los, viel Spaß und viel Stress,
Kulturkompass 2014 - ein Produktionsprozess.

Von zu Hause raus und alleine wohnen,
um nebenher Mamas Nerven zu schonen,
kriegt ja nicht alles mit was man jetzt so macht,
neue Erfahrungen sammeln, an die Zukunft gedacht.
Wäsche waschen, Wohnung putzen,
nebenher das Internet nutzen,
welches zu Beginn nicht funktionierte,
ich tausend Mal deswegen telefonierte,
mit dem Anbieter bis es dann doch hat geklappt,
„puh“ wohl nochmal Glück gehabt.
Auch der Steckdose in der Küche,
kamen wir letztendlich auf die Schliche.
Das Waschen über einen Mehrfachstecker ist nun vorüber,
eine funktionierende Steckdose in der Küche gibt es wieder.

Neue Menschen, neue Stadt,
was man ja nicht alle Tage hat,
stellt sicher eine super Erfahrung dar,
in meinem freiwillig kulturellen Jahr,
kann ich sicher viel Neues erleben,
Was? Wie? Wo? und Wann? Wird sich alles ergeben.
Ein Jahr Medien und Kultur pur,
von Langeweile, keine Spur.
Beim Filmen, Fotografieren und auch beim Schneiden,
lässt sich‘s doch prima die Zeit vertreiben.
Und jetzt darf ich bitten ist doch klar,
auf ein erfolgreiches kulturelles Jahr,
mit freundlichen Grüßen … aus dem OK.

Johannes , Goethe-Institut Düsseldorf

Verspäteter Dank an Aleksandr Hleb

Sinnbildich für die ersten gut hundert Tage meines FSJ Kultur hier am Goethe-Institut wähle ich diesen semiherausragenden Fußballer des letzten Jahrzehntes. Vor 14 Jahren zog der bescheidene Mittelfeldspieler aus dem kalten Weißrussland ins etwas weniger kalte Stuttgart. Aleks war damals 20 Jahre alt.

Ich verließ mit 17 meine Heimatstadt in der Nähe des sommerlichen Stuttgart um ins sommerliche Düsseldorf zu ziehen. Und vom einen Tag auf den anderen waren wir beide– Aleks beim VfB und ich hier im Goethe-Institut – mit Menschen aus aller Welt in Kontakt. Auf einmal war es selbstverständlich, an einem Tisch mit einem Arzt aus Istanbul, einem Studenten aus Minsk, einem Informatiker aus Kiew und zwei Studenten aus Mexiko ein Alt zu trinken – ganz wie es sich für einen Neu-Düsseldorfer gehört.

Nur wie kann man in einem solchen Gespräch den diplomatischen Drahtseilakt bestehen. Die Lösung war so simpel wie genial – Fußball. Der Istanbuler war leidenschaftlicher Fenerbahçe -Anhänger, die beiden Lateinamerikaner irrationaler Weise Bayern-Fans. Doch wie den Weißrussen einbinden, der dem Spiel eher leidenschaftslos gegenübersteht?

Immerhin kannte er Aleksandr Hleb.

Lea, Verein der Musikfreunde e.V. in Kiel

Sonntag, den 7. September 2014

Moin ihr da unten im Süden!

Nun ist die Zeit gekommen, dass ich euch aus der Ferne berichten möchte, wie es mir geht, anstatt morgens am Frühstückstisch zu sitzen und mit einem Blick eure und Hannas Stimmung wahrzunehmen. Hoffentlich ist das Haus jetzt nicht allzu leer, wo wir doch beide fast gleichzeitig hinaus in die Welt gezogen sind.
Wenn euer Leben allerdings gerade nur halb so spannend ist wie meins, brauche ich mir darüber wohl keine Gedanken zu machen. Dieses neue Gefühl von Freiheit, der Genuss, eigenmächtig tun und lassen zu können, was man will, lässt mich jeden Morgen von Neuem staunen.
Die einzige Verpflichtung, die ich momentan eingegangen bin, ist mein FSJ Kultur beim Verein der Musikfreunde Kiel, und diese würde ich eher als Freude und nicht als Pflicht bezeichnen. Ich bin so motiviert wie lange nicht mehr - gut gelaunt und konzentriert. Locker arbeite ich an meinen Aufgaben, und am Ende des Tages halte ich einen Flyer oder einen kreativen Text in der Hand, auf den ich stolz sein kann.
Gleich am Anfang habe ich auch in zwei Tagen unsere Mitglieder und Abonnenten kennen gelernt - zumindest auf dem Papier, denn die Mitgliedsausweise und Konzertkarten verschicken sich nicht von selbst. Wie viel Arbeit hinter der Organisation von mehr als 40 Konzerten im Jahr, also etwa einem Konzert pro Woche, steckt, wird mir auch jetzt erst in vollem Umfang bewusst.
Meine WG-Mitbewohner und meine Mitarbeiterinnen in der Geschäftsstelle sind so aufgeschlossen, inspirierend und lieb, dass ihr mir im Moment nur ein klitzekleines Bisschen fehlt. Aber seid euch versichert, dass dies noch kommen wird, wenn erst einmal Alltag und Routine einkehrt.
Jetzt werde ich die gerade herauskommende Sonne nutzen und Kiel ein wenig erkunden. Wenn ich gefragt werde, an was ich mich hier oben am meisten gewöhnen muss, sage ich meistens "die fehlende (Trierer) Altstadt und das ständig wechselnde Wetter".
Doch statt der historischen Gebäude haben die Kieler das Meer.

In Liebe
Eure Tochter Lea

Sonntag, den 5. Oktober 2014

Werter Herr Mozart,

zunächst einmal möchte ich anmerken, dass ich hoffe, der Brief finde den Weg zu seinem rechtmäßigen Empfänger; in der Zeit zu reisen ist mitunter noch ein äußerst beschwerliches Unterfangen. Doch sollte mein bescheidenes Wort trotz allem in Eure Hände gelangen, so sei gesagt, dass ich Euch über alles bewundere. Mitnichten ist Euer Name nur zu einem Synonym für klassische Musik avanciert; besonders Eure Musik wird in aller Herren Länder geschätzt und regelmäßig auf die Bühne gebracht.
Wie sehr doch die Werke Eures Genies das Herz erheben können, durfte ich vor nicht allzu langer Zeit am eigenen Leibe erfahren. Soeben haben die Musikfreunde Kiel, zu derer ich mich zählen darf, das erste Konzert unserer größten Konzertreihe - den nach Euch benannten "Mozart-Konzerten" - veranstaltet. Ihr dürft Euch geehrt fühlen, werter Herr Mozart, dass dazu nur die Besten der Besten Musiker zu uns kommen, um ein Werk aus Eurer üppigen Hinterlassenschaft zu präsentieren; und meist wird das Programm noch gefüllt mit einer Komposition einer Eurer geschätzten Zeitgenossen oder Eurer zukünftigen Bewunderer und musikalisch Schaffenden.
Nun saß ich - nachdem ich an der Kasse mitgeholfen hatte, Karten und Programme zu verkaufen - auf einer der vielen Kirchenbänke und genoss die Musik, die nicht von unserer Erde zu kommen schien. Lieblich, feinfühlig, aufbrausend und herzergreifend musizierten die preisgekrönten Künstler miteinander und ließen mich wünschen, das Konzert ginge nie vorbei.
Zwar mochte dieser Wunsch nicht in Erfüllung gehen, jedoch stellte der Kontakt mit den zuvorkommenden, lebensfrohen, genialen und doch bodenständigen Musikern ein zweites "Highlight" dar (ein in unserer Zeit üblicher Begriff für ein herausragendes Erlebnis).

Zum Schluss möchte ich erneut die Gelegenheit nutzen und Euch meine volle Bewunderung aussprechen. Zurzeit erlebe ich, wie viel Ehrenamt und vor allem Herzblut hinter der Durchführung eines Konzertes steckt, und ich kann mir nur ausmalen, wie viel Durchsetzungskraft und Ausdauer es Euch manchmal gekostet haben muss, ein Werk zur vollen Vollendung zu bringen und ihm die Schönheit und Würde zu verleihen, die es verdient.

Hochachtungsvoll
Lea Marxen

Dienstag, den 2. Dezember 2014

Mein*e liebe*r Nachfolger*in!

Vor kurzem meinte ich während der Arbeit spaßeshalber, dass ich nach dem Jahr bei den Musikfreunden stolz von mir behaupten könne, das Kaffee kochen erlernt zu haben. Zurück kam die Antwort: "Das werde ich aber nicht hoffen, dass du das als einziges gelernt haben wirst!"
Und tatsächlich gehört Kaffee kochen, die vermeintliche Hauptbeschäftigung aller Praktikanten und auch Freiwilligen, zu den nebensächlichsten und seltensten Tätigkeiten meines - und bald auch deines - umfangreichen Aufgabenfeldes. Mache dich gefasst auf die Suche nach immer wieder neuen kreativen Ideen für das Schreiben einer großen Anzahl von Newslettern und Pressemitteilungen, das Verschenken von unzähligen freundlichen Worten, wenn du Plakate und Flyer verteilst, die leichte Überforderung, wenn du am Anfang Mitglieder am Telefon betreuen sollst, die Freude, wenn du irgendwann endlich den Überblick über alles bekommst, und schließlich den Moment, wenn du erschöpft, aber glücklich, in den Konzertsitz sinkst und die Musik und den Erfolg des Konzerts genießt.
Seit dem ersten Tag meines FSJ Kultur sind "nur" 100 Tage vergangen und doch kommt es mir wie eine halbe Ewigkeit vor. Natürlich gibt es auch die Tage, an denen man am liebsten nicht aufstehen würde oder solche, an denen einfach alles schiefläuft. Doch diese Momente (die durchaus auch einen positiven Lerneffekt haben) gehen unter zwischen all den schönen, trotz Regen für mich sonnigen Tagen und den vielen, vielen interessanten neuen Menschen, die ich schon kennen gelernt habe.

Das ist alles, was ich dir rate: Gehe mit offenen Augen und Ohren durch dieses Jahr, bringe dich intensiv mit dem ein, was dir Spaß macht, und du wirst sehen, dass sich dir neue Chancen und Wege von alleine erschließen werden. Dann bleibt dir nur noch, all diese Möglichkeiten zu erkennen und mit den Händen zu packen und dieses eine Jahr zu genießen.

Herzlichst
Lea

Miriam, Soziokulturelles Zentrum KuHstall e.V.

Dienstag, 02. Dezember 2014

8:00 - Sitze noch ziemlich müde im Bus. Gestern hatte ich einen Workshop über Flyer- und Plakatgestaltung, was genau meinen Arbeitsbereich im SKZ KuHstall e.V. trifft, weshalb heute der erste Tag der Woche für mich ist.

10:00 - Besprechung meines Projektes „italienischer Abend“. Gestern noch am Konzept getüftelt und heute endlich vorgestellt. Kurz geschwitzt, aber konnte überzeugen: Wir ziehen es durch!

11:00 - Jetzt muss einiges geplant werden. Hab schon mal den Werbetext für die neue Broschüre geschrieben.

12:30 - Mittagspause

13:00 - Traditionelles Weihnachtskarten-Basteln für die Vereinsmitglieder. Dieses Jahr gibt es rote Karten mit goldenem Kuhmotiv-Stempel. Dieser wird mit speziellem Kleber gestempelt und dann mit goldenem Glitzerstaub bestreut. Dann muss alles kurz erhitzt werden und wird fest.

15:00 - Plakat für die Vernissage am Samstag.

16:30 - Es wird schon dunkel und ich mache mich auf den Heimweg.

 

Text: jf, Hannah, Johannes, Lea, Miriam
Bilder: privat

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