Museum, Land, Metall! Wie Veronika Jung aus diesen Zutaten eine spannende Einsatzstelle im FSJ Kultur braut, verrät sie in diesem Einblick.

Kultur schmieden

Mein Name ist Veronika Jung. Ich bin Diplomhistoriker und leite das Metallhandwerksmuseum. Das ist ein kleines Museum mit wenigen Mitarbeitern mit Schmied und Freiwilligen. Ich mache also fast alles.

Das Museum

Ich bin jetzt 20 Jahre hier. Eine lange Zeit. Ich habe das Museum auch aufgebaut. Das war mein Auftrag, als ich hierhergekommen bin. Seitdem leite ich es und erweitere ich es, wenn es geht.

Die Region ist ursprünglich vor allem durch ihre Rohstoffe zur Metallverarbeitung gekommen. Hier hat man schon im Mittelalter Eisenerz abgebaut. Das war sicherlich auch für Steinbach-Hallenberg der Grund gewesen, warum man es besiedelt hat. Eisenerz gab es also und Holzkohle durch die Wälder zum Schmelzen und die Wasserkraft, um ausschmieden zu können.

Das Museum zeigt die Geschichte von den Anfängen der Besiedelung die Entwicklung des Handwerks, die eisenverarbeitenden Zünfte bis in die jüngste Vergangenheit und die ganz junge Vergangenheit gibt es dann in Sonderausstellungen zu sehen. Wir zeigen eine breite Palette und hinzukommen auch noch die Werkstätten im Museum. Eine Nagelschmiede und eine Korkenzieherwerkstatt. Dort kann man sehen, wie das schmieden geht, man kann es dort aber auch lernen.

Die jungen Schmiede

Es gibt für Gäste regelmäßig Vorführungen. Wir bieten aber auch an, das Schmiedehandwerk zu lernen. Wir haben seit 15 Jahre eine funktionierende Arbeitsgemeinschaft "Junge Schmiede", die einmal in der Woche durch unseren Museumsschmied betreut werden. Da lernen junge Menschen das Schmieden, damit die Technologie und die Produkte nicht verloren gehen.

Einige davon arbeiten auch in diesem Bereich, als Werkzeugmacher oder CNC-Fräser, einer lernt im Lokomotiven-Ausbesserungswerk Meiningen. Er hat die Lehrstelle unter anderem auch deshalb bekommen, weil er bei uns so aktiv war und Vorkenntnisse mitgebracht hatte.

Die Freiwilligen

Freiwillige im FSJ Kultur haben wir jetzt schon fünf/sechs Jahre. Ich habe das von anderen Museen erfahren und habe mich ein bisschen erkundigt und dachte dann, es wäre genau das richtige für uns, weil wir überhaupt sehr viel mit Jugendlichen arbeiten, nicht nur im Schmiedebereich, auch in der Museumspädagogik. Und ich fand gut, dass so ein junger Mensch auch nochmal einen anderen Zugang zu den Jugendlichen und Kindern aufbauen kann. Dann haben wir uns als Einsatzstelle beworben und das klappt seit dem ganz hervorragend. Ich habe da schon ganz tolle Leute gehabt.

Die Tätigkeiten

Das besondere, was ich auch von den Jugendlichen am Anfang höre, Metallhandwerksmuseum, mein Gott, was ist denn das. Aber wenn sie dann länger dabei sind, merken sie, dass es hier sehr praxisorientiert ist, man sitzt nicht nur im Kämmerchen und es ist vielfältig. Nach ein paar Wochen stellt sich dann heraus, wie es am besten passen könnte. Das geht von der vielfältigen Museumpädagogik (typische Lebensweise, da wird gebuttert und Brot gebacken, kunsthandwerkliche Techniken werden vermittelt. Wollverarbeitung, Flachsverarbeitung, Korbflechten, Specksteinschnitzen). Sowas kann man bei uns alles lernen, auch im FSJ Kultur und das dann mit Kindern und Jugendlichen durchführen. Man kann sich aber auch in die Öffentlichkeitsarbeit einbringen. Aber auch die Museumsinventarisierung ist ein Feld für das FSJ Kultur. Das ist dann der mehr wissenschaftliche Bereich. Ein Freiwilliger hat mit mir zusammen ein Buch über Frisier-Eisen und die Geschichte des Frisörhandwerks herausgebracht. Je nach Neigung kann man sich hier wirklich mit einem eigenen Projekt verwirklichen. Das ist kein Projekt, was man aufgedrückt bekommt, sondern es muss zu einem passen. Es kommt auch immer ein bisschen auf die Neigung der Freiwilligen an.

Das Besondere

Hilfreich ist dafür bestimmt, dass wir ein kleines Museum sind, in dem man alles Mögliche selber machen muss. Außerdem bin ich auch sehr offen und denke nicht gleich, derjenige muss jetzt das und das machen. Das ist meine Erfahrung, wo ich denke, jeder hat bestimmte Stärken und wenn man die nutzt, dann haben alle mehr davon. Wir haben viele Möglichkeiten und man muss es wollen und auf die Freiwilligen eingehen. Und ich will.

Manchmal ist es nicht so einfach, weil das Museum eben nicht nur eine spezielle Fachrichtung hat, sondern eben auch noch im ländlichen Raum liegt. Was nach außen erstmal nicht so anziehend wirkt, wie es dann von innen ist. Wenn ich aus Köln käme, würde ich auch nicht hierher kommen. Man muss es eben wollen, hierher zu kommen. Aber bis jetzt hatten wir auch immer Glück. Durch die Öffentlichkeitsarbeit sind wir in der Region bekannt. Der jetzige Freiwillige ist gekommen, weil er explizit eine Stelle im Schmiedebereich gesucht hat. Er möchte Schmied werden und hat sich sicherlich durch das Internet gearbeitet und ist auf uns gestoßen.

Außerdem arbeite ich sehr gut mit den Kollegen vom Landesträger in Erfurt zusammen, sie kommen auch ein oder zweimal im Jahr hierher und sie empfehlen das Museum auch sehr gut, weil die auch von unserer Arbeit begeistert sind. Wir haben ja auch schon viermal am Tatort Kultur in Hessen-Thüringen mitgemacht und auch viermal gewonnen.

Minderjährigkeit macht mir keine Angst. Der aktuelle Freiwillige ist sogar schon der dritte, der nicht 18 Jahre alt ist während des FSJ Kultur. Sie sind eh alle so unterschiedlich, da ist das Alter wirklich egal.

Was bleibt

Ich habe mit allen ehemaligen Freiwilligen noch heute Kontakt. Zwei lernen gerade noch. Eine arbeitet im Bereich Medienkommunikation. Eine studiert Fotografie und Kommunikationsdesign. Fast alle kommen einmal im Jahr noch hierher und besuchen uns.

 

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 Text: Veronika Jung aufgeschrieben von jf
Bilder: Metallhandwerksmuseum Steinbach-Hallenberg