Entflammt

Intro

Nach meinem Jahr als Freiwilliger versuche ich mich nun als Student. Der erste Anlauf Politikwissenschaften in Berlin zu studieren war leider nicht erfolgreich. Deswegen habe ich mich als „Zwischenstudium“ für Turkologie entschieden und lerne nun fleißig Türkisch. Dem Anne Frank Zentrum bin ich als Freier Mitarbeiter treu geblieben und begleite im Februar meine erste Schulgruppe durch unsere Dauerausstellung. Auch ein neues eigenes Projekt ist in Planung. Mit einer Aktionswoche gegen Homophobie in meiner Heimatsstadt Gütersloh möchte ich Vorurteile abbauen und mehr Akzeptanz gegenüber Schwulen und Lesben schaffen. Ich freue mich auf die kommenden Herausforderungen als Student und hoffe im nächsten Semester Politik zu studieren. Möglichst in Berlin.

Aus der Festschrift „20 Jahre Anne Frank Zentrum“

Für ein Jahr war ich als Freiwilliger im Anne Frank Zentrum in der Öffentlichkeitsarbeit tätig. Ich habe unter anderem bei der Redaktion der Website und des Newsletters sowie der Organisation von Veranstaltungen mitgeholfen. Ein wichtiger Teil meiner Arbeit war die bundesweite Gedenkaktion „wolkenlos“ zum 85. Jahrestag von Anne Frank – ein Projekt, das ich gemeinsam mit Laura Uhr, der damaligen Freiwilligen der Gedenkstätte Bergen Belsen, geplant und umgesetzt habe.

Zum ersten Mal vom Anne Frank Zentrum habe ich im Frühjahr 2012 gehört. Damals war die Wanderausstellung „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ in meiner Heimatstadt Gütersloh zu Gast. Herr Meier, mein Geschichte-Leistungskurslehrer, versuchte uns voller Hingabe zu überzeugen, als Peer Guides Gruppen durch die Ausstellung zu begleiten. Der anwesende Kurs reagierte mit einem gemeinschaftlichen tiefen Seufzer. Auch ich war nicht gerade begeistert. Nach minutenlangem Wechsel von Standpauken und gutem Zureden fanden sich endlich ein paar Freiwillige, die der Diskussion ein Ende bereiten wollten: Gemeinsam mit drei Freundinnen nahm ich also an den Einführungstagen teil. Und da sprang unerwartet ein Funke über. Entflammt und aufgeregt begleiteten wir unsere ersten Gruppen. Wir informierten interessierte Besucherinnen und Besucher über das Leben und Schicksal von Anne Frank und beantworteten Fragen zur Geschichte des Nationalsozialismus. Die Arbeit erfüllte uns mit Freude und legte den Grundstein für die weitere Zusammenarbeit mit dem Anne Frank Zentrum.

Besonders unterstützenswert finde ich das Anne Frank-Botschafter-Projekt: Es ist absolut brillant, jungen Menschen zu zeigen, dass auch sie etwas verändern können und ein wichtiger Teil der Gesellschaft sind. Es wird oft über die Politikverdrossenheit der Jugend gesprochen, aber viel zu selten auf die zahlreichen Beispiele von jungem Engagement geschaut.

Das Anne Frank Zentrum gibt Jugendlichen durch mehrtägige Seminare die Fähigkeiten in die Hand, die sie brauchen, um eigene Projekte in ihren Städten zu verwirklichen. Wie der ehemalige Direktor Thomas Heppener einmal sagte: „Man muss die Jugendlichen nur machen lassen.“ Ich hoffe, dass es gelingt, die jungen Botschafterinnen und Botschafter stärker an das Anne Frank Zentrum zu binden und ein Netzwerk aufzubauen, in dem sie sich mit anderen Jugendlichen austauschen und gegenseitig unterstützen können. Es ist für die jungen Menschen eine schöne Möglichkeit, selbst Verantwortung zu übernehmen und etwas zu bewegen. Die Umsetzung von eigenen Projekten stärkt das Selbstbewusstsein und schärft viele Sinne, zum Beispiel den fürs kritische Nachfragen.

Ich finde es bedauerlich, dass das Anne Frank Zentrum, so wie viele andere Organisationen und Vereine, über keine dauerhafte Finanzierung verfügt. Verträge sind oft nur auf ein Jahr begrenzt. Viele der beispielhaften Ideen und Projekte müssen an strenge Vorgaben angepasst werden und das gesamte Team bewältigt Unmengen an Aufgaben, die kaum Platz zum Luftholen lassen. Deswegen ist es umso bemerkenswerter, dass es das Anne Frank Zentrum seit nun 20 Jahren gibt: Eine Geschichte, die für viele Vorbild oder Anstoß sein kann.

Einen besonderen Wert legt das Anne Frank Zentrum auf die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Was lernen wir aus der Vergangenheit? Wie ist unsere Gegenwart von vergangenen Ereignissen geprägt? Wichtige Fragen, die in der Arbeit des Anne Frank Zentrums eine große Rolle spielen. Eine Ausstellung kann nie die Geschichte oder Gegenwart abbilden, aber ihre Besucherinnen und Besucher können es sehr wohl – indem sie diskutieren und über aktuelle Geschehnisse sprechen. Gerade durch diese Gespräche schafft das Anne Frank Zentrum den Brückenschlag von Vergangenheit und Gegenwart.

Ich habe als Freiwilliger leider nur einen kurzen Einblick hinter die Kulissen des Anne Frank Zentrums erhalten. Es gibt noch viel zu entdecken, zu bewegen und anzupacken.

An dieser Stelle möchte ich mich außerdem ganz herzlich bei dem gesamten Team für das anstrengende, interessante und hilfreiche Jahr als Freiwilliger bedanken!

 

Text: Stefan Matthias Pape
Bilder: Copyright Anne Frank Zentrum, Helena Schätzle

 

Die gesamte Festschrift steht hier als Download bereit http://www.annefrank.de

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