Einblick No. 4 // Träger

„Der ist genau wie Max“

Im Gespräch mit Stefanie Hübner
Koordinatorin im FSJ Kultur und Bundesfreiwilligendienst Kultur und Bildung bei der LKJ Thüringen

Wenn in den dunklen Wintermonaten die erste Euphorie an der eigenen Arbeit verflogen ist, die Tage immer noch dunkel, die Luft kalt ist, dann haben viele der Freiwilligen im FSJ Kultur ein Wintertief. Dieses Stadium ist sicher auch anderen bekannt, wird allerdings im FSJ Kultur für die Freiwilligen erstmals am eigenen Leib erfahrbar. Die erste Hälfte ihres Freiwilligenjahres ist rum, es gibt „oftmals weniger zu tun, die Freiwilligen sind in ihrer Arbeit angekommen und die Arbeitsabläufe sind ihnen bekannt“, erzählt Stefanie Hübner, die als Koordinatorin beim thüringischen Landesträger, der LKJ Thüringen, arbeitet.

Träger, das ist ja im wörtlichen Sinne jemand, der etwas schleppt, nur leichter. Träger im FSJ Kultur tragen die Freiwilligen sanft durch das Jahr, kümmern sich um ihr Wohlbefinden, springen in schwierigen Situationen ein und bieten Packhilfe in Sachen Verantwortung. Für die Freiwilligen und die Einsatzstellen ist die Arbeit der Träger wichtig. Sie sind in den Bildungsseminaren für die inhaltliche Gestaltung zuständig und fungieren als Mediatoren, wenn es zu Konflikten kommt. Darüberhinaus achten sie auf die Qualität des Freiwilligendienstes und behalten die notwendigen Formalitäten im Blick.

Besonders im Wintertief nimmt die LKJ Thüringen ihre „tragende Rolle“ sehr ernst: Zum einen organisieren Die Koordinatoren/-innen das zweite Bildungsseminar, auf dem die Freiwilligen sich untereinander austauschen, Bisheriges reflektieren und ihren Blick – unter fachlicher Anleitung – in die Zukunft richten können. Denn oft wird den Freiwilligen im Winter ihre „immer deutlicher werdende Unwissenheit über das Leben nach dem FSJ Kultur“ bewusst. Zum anderen finden in der Zeit von Dezember bis April die Einsatzstellenbesuche statt: Das sind Treffen, bei denen die Koordinatoren/-innen die Freiwilligen in ihrer Einsatzstelle besuchen und das Gespräch mit den Freiwilligen und ihren pädagogischen Ansprechpartnern/-innen suchen. Stefanie Hübner lässt sich die Umgebung zeigen, bespricht eventuelle Probleme, versucht Lösungen zu finden und unterstützt die Freiwilligen in der Ideenfindung und Umsetzung ihres eigenverantwortlichen Projekts, vor allem gegenüber der Einsatzstelle, die manchmal andere Vorstellungen hat.

Die LKJ Thüringen ist seit Anbeginn des FSJ Kultur, seit 2001 also, dabei. 90 Plätze im FSJ Kultur und weitere 20 im Bundesfreiwilligendienst koordiniert sie. Zur Betreuung der Freiwilligen und zur Organisation der Bildungsseminare sind die drei Koordinatoren/-innen Norman Hahn, Stefanie Hübner und Karolin Jungfer da, die jeweils ein Drittel der Gesamtgruppe betreuen. Bei Konflikten „wissen allerdings alle Bescheid“, damit sich zum Beispiel Stefanie, als „Neue“ (sie ist seit 2010 im Namen des FSJ Kultur unterwegs) mit den anderen austauschen kann und Hilfestellung bekommt.

Stefanies zweiter Jahrgang war schon eine gewöhnungsbedürftige Sache, da sie auf den Seminaren immer wieder an die Vorgänger, an „ihren ersten Jahrgang“, denken musste. Den hatte sie besonders liebgewonnen und musste sich erst daran gewöhnen, dass der zweite Jahrgang zwar anders als der erste, aber durchaus auch liebenswert ist. Vergleiche ziehen die Koordinatoren/-innen trotzdem ganz automatisch. „Da gibt es wieder so einen, wie Max im letzten Jahr“, sagt Stefanie Hübner und in der einen Einsatzstelle ist immer der gleiche Typ Mensch. Das und das Kennenlernen auf den Seminaren waren und sind immernoch tolle Erfahrungen für sie, bereichern ihre Arbeit und die Freude daran auch die von ihr begleiteten Freiwilligen.

von Annika Esser
Dezember 2012

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