Einblick No. 43 // Alumni

Blickwinkel, aufgenommen von Leander Ruske

Zurückkommen

Barbara und Leander. Beide haben ihr FSJ Kultur im Max Mannheimer Studienzentrum (MMSZ) gemacht. Für Leander ist es drei Jahre her, für Barbara einige Monate. Beide kommen gerne in ihre Einsatzstelle zurück, um das zu tun, was sie in ihrem FSJ Kultur hier gelernt haben – historische Bildungsarbeit.

Im Januar standen sie wieder einmal vor 50 Schülern und Schülerinnen, die aufgeteilt in Gruppen an drei Tagen etwas über die Geschichte des Konzentrationslagers Dachau lernen.

Aus diesem Anlass haben wir Barbara, Leander und Steffen Jost, Mitarbeiter der Einsatzstelle, ein paar Fragen gestellt und hier zusammengefasst:

Leander, wie fühlt es sich an, in die Einsatzstelle vom FSJ Kultur zurückzukommen und diese als freie Mitarbeiterin zu unterstützen?

Es ist ein sehr erfüllender Job, da es spannend ist immer auf neue Jugendliche zu treffen und zu sehen wie sehr sie die Thematik interessiert.

Ein weiterer Grund für mich warum ich die Studientage dort noch regelmäßig ausführe ist das Team zu sehen. Jeder versteht sich mit jedem und die Atmosphäre ist super. Und zu guter Letzt erhalten die freien Mitarbeiter für die Durchführung der Studientage auch eine Vergütung, die gerade für mich als Student nicht uninteressant ist.

Barbara, wie fühlt es sich für dich an?

Nachdem die erste Melancholie meinerseits verflogen ist, keine FSJlerin mehr zu sein und ich fast jeden Raum auf mögliche Veränderung überprüft habe, freue ich mich immer wieder, in meiner alten Einsatzstelle zu sein. Einerseits ist es schön, das Team wiederzusehen und andererseits, und das vor allem, weiterhin mit der Thematik zu arbeiten, die mich beschäftigt und interessiert. Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich und jedes Mal lerne ich neue Blickwinkel kennen. Da profitiere ich vor allem von den teilnehmenden Jugendlichen.

Auf der Rückreise nach Hause ist es für mich dann immer wieder eine Bestätigung, dass meine Entscheidung für dieses FSJ genau die Richtige war und letztendlich ist es auch eine positive Rückmeldung an die Einsatzstelle, dass ehemalige FSJler*innen gerne zurückkommen, um dort zu arbeiten.

Steffen Jost vom MMSZ schätzt diese „Rückkehr“ der Freiwilligen. Als stellvertretender Leiter des MMSZ hat er die Freiwilligen betreut. Für ihn ist klar: „Mit den Freiwilligen hat man sowieso schon ein enges Verhältnis. Das sind Leute, auf die man sich verlassen kann, wenn man ein Jahr zusammen gearbeitet hat.“ Für das MMSZ sei es natürlich auch gut, wenn mit Barbara und Leander auch junge Menschen im Team sind, die nah an der Zielgruppe der Bildungsarbeit des MMSZ sind – Schüler und Schülerinnen. Auch die jeweils aktuellen Freiwilligen profitieren von den ehemaligen Freiwilligen, die immer mal wieder vorbei kommen, denn „klar, dann holt man sich Tipps ab, tauscht sich aus, wie man Gruppen anleitet“, erzählt Steffen Jost.

Leander, was waren deine Aufgaben im FSJ Kultur?

Nachdem wir uns in die Materie durch Hospitationen an Studientagen, Absolvierung des Referentenausbildungskurses der KZ-Gedenkstätte Dachau und das Lesen ausgewählter Fachliteratur eingearbeitet hatten, konnten wir eine Vielzahl an Aufgaben übernehmen, die wir uns in der Regel zeitlich frei einteilen und selbstständig bearbeiten konnten. Und dies ist generell so ziemlich das Beste was einem im FSJ passieren kann.

Luisa, meine liebste FSJ-Kollegin, die gleichzeitig mit mir im MMSZ war, und ich erstellten selbstständig Bildungsmaterialien oder führten Studientage mit Jugendgruppen durch. Doch die interessantesten, lehrreichsten und auch schönsten Aktivitäten waren die Jugendbegegnungen, an denen wir teilnahmen.
Die Jugendbegegnung des deutschen Bundestages führte uns beispielsweise mitten im tiefsten Winter bei -20°C nach Kiew, wo wir uns mit den nationalsozialistischen Verbrechen des Zweiten Weltkrieges beschäftigten. Es war äußerst spannend zu sehen, wie in Osteuropa der Opfer der Verbrechen gedacht wird und wie die Erinnerungskultur dort praktiziert wird. Unvergessen wird auch immer der Jugendaustausch mit Serbien bleiben, auf dem wir uns mit Sinti und Roma in Deutschland und Serbien beschäftigt haben.

Barbara, was war das Beste an deinem FSJ Kultur?

Lieblingsplatz in München - die neue Stadt für BarbaraDas ist schwer zu sagen. Ich habe während meinem FSJ viel erlebt.

Grundsätzlich war es erst einmal spannend, in eine vollkommen neue und unbekannte Stadt zu ziehen und sie für sich zu entdecken.

An der Arbeit in meiner Einsatzstelle hat mir aber vor allem die Arbeit mit den Jugendlichen viel Spaß gemacht.

Wenn wir nicht vom Besten, sondern vom einschneidensten Erlebnis bzw. von einem Moment, der mir aus meinem FSJ in Erinnerung bleibt, reden, dann möchte ich das Zeitzeugengespräch mit Zofia Posmysz im Rahmen der Jugendbegegnung des Deutschen Bundestages erwähnen: Ohne dass ich es an etwas Bestimmten festmachen kann, hat sie mich als Person und von ihrem Auftreten her unheimlich fasziniert und beeindruckt.

Insgesamt kann ich sagen, dass es für mich im FSJ auch darum ging, sich auf Neues einzulassen und das jetzt, nach knapp fünf Monaten Abstand zum FSJ-Ende, auch eine gesunde Portion Stolz steht, die Chance bekommen zu haben und sie für sich genutzt zu haben.

Leander, und bei dir?Leander und Luisa

Mir hat die Zeit am MMSZ vor allem Zielstrebigkeit und Selbstbewusstsein gebracht dergestalt, dass mir die Dinge für meinen restlichen Lebensweg helfen werden.
Aber trotz der ganzen tollen Eindrücke war das Allerbeste am ganzen FSJ das Team des MMSZ, das von Anfang an super lieb und nett zu uns war und uns herzlichst aufgenommen hat, und natürlich Luisa, eine bessere Mit-FSJlerin kann man sich nicht wünschen, an dieser Stelle danke an euch alle.
Manchmal wünsche ich mich in die Zeit damals zurück, es war eine tolle Zeit, die mir viel Erfahrung und auch Freundschaften eingebracht hat.

Für jeden der unschlüssig ist ein FSJ zu machen, kann ich nur einen Rat geben: in dubio pro FSJ!

 

Über Barbara und Leander

Nach dem FSJ hat Barbara ein Praktikum in einem Internationalen Jugendwohnheim für junge Frauen gemacht. Seitdem unterstützt sie eine Gedenkstätte in Bonn. Ab dem Sommer wird sie Soziale Arbeit in Münster studieren.

Leander hat gerade seine Zwischenprüfung im Jura-Studium in Regensburg hinter sich gebracht.

 

Bilder: "Blickwinkel" von Leander, Barbara (Lieblingsplatz in München -
die neue Stadt für Barbara), Leander und Luisa
Texte: sp, Leander, Barbara