Einblick No. 48 // Träger

Der innere Clown! Offenes Scheitern.

Zu Beginn des Freiwilligenjahres haben alle Freiwilligen in Rheinland-Pfalz ein kleines Heft bekommen. „Bildungsblock“ steht darauf. Darin enthalten: Angebote für Bildungstage, die helfen sollen die vielfältigen Anforderungen in einem Freiwilligenjahr zu bewältigen. Auszuwählen nach eigenem Geschmack und Interesse. Klingt gut.

Aber Bildungstage? Klingt nach Schule und rumsitzen und stillsein, während eine Person erzählt. Dabei heißen Bildungstage eben so, weil es im Gesetz steht. Da steht auch, dass Bildungstage verpflichtend sind im freiwilligen Jahr. Welch‘ Paradox! Aber es geht eben bei einem Freiwilligendienst nicht nur darum sich zu engagieren, sondern auch noch in den Genuss von Bildung zu kommen. Und bei Genuss, da passt ja auch der eigene Geschmack und das eigene Interesse wieder.

Die Angebote in Rheinland-Pfalz sind vielfältig (ähnliche Angebote gibt es übrigens in jedem Bundesland im FSJ Kultur, FSJ Politik und FSJ Schule): Von Bühnenkampf über Demokratie und Vielfalt zu Medienpädagogik und Kunst der Entspannung. Das klingt wirklich nach Handwerkszeug für den Alltag von Freiwilligen. Und dann gibt’s noch Ringen und Raufen…

Auf Seite 27 wird ein Workshop mit dem Namen „Der innere Clown“ angeboten. Der Porträt Philipp Mayer (c) Potsdamer Klinikclowns e. V.Referent ist Philipp Mayer, der auch Koordinator für das FSJ Kultur in Rheinland-Pfalz ist. Die Beschreibung des Bildungstags klingt mehr nach Selbsterfahrung als nach Dummer August. Philipp Mayer erzählt, dass er selber als Clown in Kinderkrankenhäusern und Seniorenheimen arbeitet. Er habe im Rahmen seiner Theaterpädagogikausbildung Bekanntschaft mit der Clownerie gemacht: „Das war für mich sehr identitätsstiftend. Der Clown zeigt sich mit allem was er ist, mit allen Makeln und auch Stärken. Er geht mit seinem Scheitern offen und locker um und das war und ist für mich das reizvolle an der Clownerie.“ Also wirklich Selbst-grenz-erfahrung!  Aber wie funktioniert das in einer größeren Gruppe in zwei Tagen Workshop? Die Gruppe, die sich im Juni traf, war offen, erinnert sich Philipp Mayer. Das war ein Vorteil. „Außerdem mussten alle nur langsam die Hüllen fallen lassen“, sagt er und grinst. Zuerst gab es gemeinsame Spiele zum Warmwerden, Theaterübungen und  erst am Nachmittag ging es an die Clownsarbeit. Es gab rote Nasen („die kleinste Maske der Welt“) für alle. Mit dieser Maske auf der Nase können Tabus gebrochen werden, darf Menschen viel näher gekommen werden, als mit dem eigenen „privaten“ Gesicht. Dadurch kann man verrückte Dinge tun und keine Person nimmt es übel.

„Was macht die Nase mit mir, wenn ich gar nicht viel tue? Damit haben wir experimentiert. In kleinen Gruppen und auch alleine.“ Und dann begann das Scheitern. Denn der Humor und die Komik entstehen aus dem Moment. Das ist die Kunst der Clownerie. „Währenddessen darf der Spaß nie zur kurz kommen. Bis am Ende sogar alle Spaß am Scheitern haben.“ Allgemein herrscht das Bild einer klassischen Clownsfigur, wie eben der Dumme August, die Blödsinn macht. Das entspricht nicht dem Bild Philipp Mayers: „ Was Clowns eigentlich ausmacht, dass sie sich und ihre Gefühlswelt nach außen tragen und die Mitmenschen daran teilhaben lassen. Und dazu gehört jede Menge Mut! Den mussten die Teilnehmenden auch erstmal beweisen.“

Aber wenn das klappt, dann bringt das eine Menge Selbstbewusstsein. Dessen ist sich Philipp Mayer sicher: „In dem Moment, wenn ich zu meinen Schwächen stehen und damit offen umgehen kann; wenn ich scheitere und neue Wege finde, werde ich viel stärker. Das ist der Grund, weshalb ich dachte, dass es den Freiwilligen auch viel bringen kann“, betont Philipp Mayer, „besonders wenn sie es schaffen ein Stück diese Haltung in ihren Alltag zu transportieren.“

 

Mehr Informationen über Floppi und die Potsdamer Klinikclowns e. V.

 

Text: jf
Bilder: Kulturbüro Rheinland-Pfalz
Porträt Philipp Mayer: Potsdamer Klinikclowns e. V.

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