Einblick No. 1 // Freiwillige

Kulturtage, Bildungstage, Freundschaftstage – Seminare im FSJ Kultur

Marlin
FSJ Kultur 2011/2012, Berliner Philharmoniker

Wäre man im Juli in der Kurt-Löwenstein Jugendbildungsstätte in Brandenburg vorbeigefahren, hätte man ein FSJ Kultur-Seminar in Rein-Kultur erleben können. Auf dem Rasen vor dem großen Haus übte eine Gruppe eine Choreografie, im Hausflur fand eine Jam-Session statt, ein Stockwerk darüber wurden in einem Raum Zeichentrickfilme produziert, hinter Türen hörte man Lachen, Rufen, manchmal lautes Fluchen aus dem Theatersaal. Beim Mittagessen wurde die Genderthematik eines Workshops diskutiert und das abendliche Lagerfeuer geplant. Man wäre auf einem Bildungsseminar des FSJ Kultur gelandet und würde bleiben. Wie auch Marlin, der Freiwillige bei den Berliner Philharmonikern, für den die Seminare „die Highlights des Jahres“ waren.

Die Bildungsseminare nehmen im FSJ Kultur eine wichtige Rolle ein, nicht nur, dass es gesetzlich verpflichtend ist, eine gewisse Anzahl an Bildungstagen zu besuchen: auf den Seminaren tauschen sich die Freiwilligen mit Gleichgesinnten aus, können sich künstlerisch und kreativ mit sich, Kultur und Gesellschaft auseinandersetzen und bekommen viel Input an die Hand – und das schätzen nahezu alle Freiwilligen und deren Einsatzstellen, die von neu gewonnenen Erkenntnissen profitieren.

 Über das ganze Jahr verteilt finden vier Bildungsseminare statt. Zu Beginn ist alles noch sehr neu und auch Marlin war anfangs etwas überfordert, „weil man so viele neue Leute sieht und sich unbedingt jedes Gesicht merken will und es einfach nicht schafft.“  Doch nach zwei Einführungstagen, vielen Kennenlernaktionen und den ersten Workshoptagen ist oft bereits eine Gemeinschaft entstanden und die Freiwilligen musizieren, gestalten spielerisches oder musikalisches Abendprogramm oder kommen einfach ganz nebenbei ins Gespräch, denn schließlich haben alle eins gemeinsam: „Wir haben uns alle für Kultur entschieden“.

Steht das erste Seminar noch unter dem Motto Kultur- und Projektmanagement, so wird beim zweiten und dritten Seminar der Blick auf die Kompetenzen des einzelnen Freiwilligen gerichtet. Das letzte Seminar dient dann der Reflexion des vergangenen Jahres und einem Ausblick auf das Leben nach dem FSJ Kultur – und natürlich dem Gemeinschaftsgefühl und vielen kulturellen Momenten. Marlin sagt, er sei „in dem Jahr selbstständiger geworden und kommunikativer - früher war ich schüchterner. Ich kann auch durch die Seminare besser auf Menschen zugehen, die ich vorher nicht kannte.“

Marlin ist Freiwilliger in der Education-Abteilung der Berliner  Philharmoniker. Hier unterstützt er die Mitarbeiter/-innen dabei, die Musik der Philharmoniker einem möglichst breiten Publikum zu ermöglichen. Schüler aller Bezirke, Menschen aller Generationen, können vor Ort an Projekten teilnehmen und Familienkonzerten lauschen. Marlin sammelt die Anmeldungen, ist bei der Durchführung der Projekte anwesend, unterstützt die Veranstaltungstechnik und verwaltet das daraus entstandene Dokumentationsmaterial. Auf die Frage, warum er sich für ein FSJ Kultur entschieden hat, antwortet er: „Ich wollte nicht direkt studieren, ich wollte nicht zur Bundeswehr und ich wollte keinen Zivildienst machen weil ich ein FSJ Kultur machen wollte!“

von Annika Esser
September 2012

Weitere Einblicke...